Plane deinen eigenen Fantasy Roman #5: Protagonist und Antagonist

Der Protagonist oder die Protagonistin ist die zentrale Figur der Geschichte oder ganz einfach die Hauptrolle. Der Gegenspieler des Protagonisten ist der Antagonist. Protagonist und Antagonist sind meiner Meinung nach gleich wichtig für eine Geschichte. Deshalb behandelt dieser Artikel diese beiden Charaktere als zwei gegensätzliche, aber gleichwertig treibende Kräfte für deine Geschichte.

Protagonist und Antagonist

Dieser Blogpost über Protagonist und Antagonist deiner Fantasy Geschichte ist Teil der Artikel-Reihe „Plane deinen eigenen Fantasy Roman“. Finde hier alle Informationen und eine Übersicht zum Planen deines fantastischen Romans. Auch heute erhältst du wieder eine Wochenaufgabe, damit du am 1. November mit deinem Schreibentwurf starten kannst. Und jetzt fangen wir mit den Vorbereitungen für deine Fantasy Geschichte an!

Protagonist und Antagonist

Treibende Kräfte

Sowohl Protagonist als auch Antagonist können eine Person oder eine Gruppe sein. Der Antagonist kann jedoch zusätzlich auch körperlos sein. Beispiele dafür sind das gesellschaftliche System, die Natur oder Gefühle.

Protagonist und Antagonist haben beide je ein Ziel, das im Gegensatz zum Ziel des anderen steht. So entsteht Konflikt: Der Protagonist will etwas, aber um das zu erreichen verhindert er, dass der Antagonist sein Ziel erreicht und umgekehrt. Das Streben von Protagonist und Antagonist nach ihren Zielen treibt so die Geschichte voran.

In der Beispiel-Geschichte „Heilhexe“ ist das Ziel von Protagonistin Lily am Anfang nur, dass sie ihre Familie, die Hexengemeinschaft, beschützen und ihr helfen möchte. Im Verlauf der Geschichte ändert sich dieses Ziel und sie will die Wahrheit über die Werwolf-Krankheit herausfinden und die Werwölfe retten. Die Antagonistin Belinda, die Anführerin des Hexenrates, möchte dagegen, dass die Wahrheit nicht herauskommt und dass alle Werwölfe zerstört werden.

Konflikt-zwischen-Protagonist-und-Antagonist
Darstellung des Konflikts anhand der Beispielgeschichte "Heilhexe"

Die Hauptfigur

Da der Protagonist meistens auch die Hauptfigur der Geschichte ist, ist sein Ziel grundsätzlich auch das Ziel der Geschichte. Der Leser verfolgt alles, was dem Protagonisten widerfährt. Der Protagonist muss aber nicht unbedingt auch der Erzähler sein. Wenn man einen Text in der er/sie-Perspektive schreibt, dann ist das ein Beispiel dafür, dass der Erzähler und der Protagonist nicht die gleiche Person sind.

"Guter" Held und "böser" Schurke

Ein interessanter Antagonist ist nicht einfach nur „böse“, genauso wenig wie ein spannender Protagonist nicht nur „gut“ ist. Wie schon im letzten Beitrag über die Charaktere im Allgemeinen erklärt, müssen fesselnde Figuren vielschichtig sein.

Der Protagonist ist nicht perfekt. Er hat seine Schwächen, vielleicht zweifelt er an sich, vielleicht hat auch er „böse“ Gefühle wie Rachsucht oder Neid. Der Antagonist kann auch eine „gute“ Seite haben, vielleicht liebt er jemanden und verhält sich dieser Person gegenüber auch ganz anders als gegenüber dem Rest der Welt.

 

Beispiele aus Büchern, Filmen und Serien

Es gibt verschiedene Arten von Protagonisten und Antagonisten. Man kann epische Antagonisten wie den „klassischen Bösewicht“ ausmachen, den typischen „bösen“ Schurken und „guten“ Helden oder sogar körperlose Antagonisten. Hier folgen einige Beispiele, um die unterschiedlichen Beziehungen zwischen Protagonisten und Antagonisten aufzuzeigen.

Um die Beispiele auszuführen, muss ich teilweise über das Ende der Geschichten schreiben. Damit du nicht aus Versehen gespoilert wirst, ist der Text in einem Tab zusammengefasst. Falls du das Buch noch nicht gelesen oder den Film noch nicht gesehen hast, öffne den jeweiligen Tab also auf eigene Gefahr.

Bei „Harry Potter“ ist es sehr klar: Harry Potter ist der Protagonist und Voldemort der Antagonist. Lord Voldemort ist hier ein bekanntes Beispiel für den „klassischen Bösewichten“. Voldemort und Harry Potter sind von Anfang an miteinander verbunden, weil Voldemort Harry zum Waisen gemacht hat.

Im Verlauf der Geschichte werden viele Parallelen zwischen Harry Potter und Voldemort aufgezeigt, aber was Harry im Vergleich zu Voldemort in seinem Herzen trägt, ist das was ihm am Ende den Sieg beschert: Liebe.

In „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen ist es etwas schwieriger: Lizzy ist die Protagonistin aber wer ist der Antagonist?

Während der Geschichte durchkreuzen ihr Stolz und ihr Vorurteil immer wieder Lizzys Pläne. Es gibt also einen körperlosen Antagonisten: Lizzys eigenen Stolz und ihr eigenes Vorurteil.

Ich finde man braucht viel Erfahrung, um erfolgreich einen körperlosen Antagonisten zu schreiben. Um dieses Problem zu umgehen, kann man eine Person oder Gruppe als Antagonisten ausbilden, die für den körperlosen Antagonisten stehen. Z.B. eine Person, die Stolz und Vorurteil symbolisiert.

Der Star der Romanreihe und der Filme über Hannibal Lecter ist nicht der Protagonist sondern der Antagonist Hannibal Lecter selbst. Im Verlauf der Reihe wechseln die Protagonisten, der Antagonist bleibt aber immer gleich. Der Antagonist nimmt hier eigentlich die Rolle des Protagonisten ein.

Ich werde in Zukunft bestimmt noch einen ganzen Artikel über die Bücher, die Filme und die Serien schreiben, deshalb gehe ich an dieser Stelle nicht mehr genauer darauf ein.

Der Story Circle von Dan Harmon für Antagonist und Protagonist

Im letzten Blogpost über die Charaktere im Allgemeinen habe ich kurz das Konzept des Story Circles von Dan Harmon vorgestellt. Heute schauen wir uns die einzelnen Elemente des Story Circles anhand der Charakterentwicklung des Protagonisten und Antagonisten genauer an.

Es ist wichtig, den Antagonisten genau so detailliert vorzubereiten wie den Protagonisten. Sie sind zwei Seiten der gleichen Medaille, die zwei Kräfte, die deine Geschichte vorantreiben. Und ausserdem, was hat George R. R. Martin so schön gesagt?

 

„Nobody is a villain in their own story. We’re all the heroes of our own stories.“

– George R. R. Martin

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Dan Harmons Story Circle

1. Home/You

Der Charkater ist in seiner Komfortzone. Der Protagonist und die Welt werden vorgestellt. Jedoch wird nur das Nötigste erklärt, den Rest erfährt der Leser später.

2. Need/Want

Der Charakter will etwas unbedingt.
Etwas stimmt nicht in dieser Alltagsszene.

3. Go

Der Charakter wird dazu gezwungen, seine Komfortzone zu verlassen. Der Charakter möchte das nicht oder es ist ungewohnt.

4. Search

Der Charakter versucht sich der Situation anzupassen, er versucht wieder Herr der Lage zu weder. Aber es gelingt ihm nicht.

5. Find

Doch dann schafft der Charakter es anscheinend. Er erhält das, was er will.

6. Take

Der Charakter zahlt einen hohen Preis dafür, dass er sein Ziel erreicht. Der Antagonist wird besiegt oder der Protagonist muss damit fertig werden, dass er sein Ziel nicht erreicht (falls es kein Happy End gibt).

7. Return

Der Charakter kehrt in seine Alltagswelt und seine Komfortzone zurück.

8. Change

Der Charakter ist am Ende eine ganz andere Person, als er am Anfang war. Er hat sich verändert.

Protagonist-vs.-Antagonist
Story Circle von Protagonist und Antagonist: Klicke auf das Bild und du gelangst zu den Pdfs.

Wochenaufgabe #5

Die Aufgabe für diese Woche lautet: Schau dir deinen Protagonisten und Antagonisten genauer an. Scheibe ihre Hintergrundgeschichten. In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Fülle für beide Charaktere den Story Circle aus.

Ich bin gespannt auf deine Geschichte. Wie immer freue ich mich über jeden Input oder Tipp, den ich auf Instagram, per Mail oder direkt in den Kommentaren erhalte.

Und jetzt wünsche ich dir noch eine fantastische Woche!

 

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