Plane deinen eigenen Fantasy Roman #4: Die Charaktere

Es wird häufig behauptet, dass die Charaktere (oder auch literarische Figuren) das wichtigste Element deines Romans sind. Wie schon einmal geschrieben, denke ich nicht, dass es ein Element des Geschichten-Planens oder Outlinings gibt, das am wichtigsten ist.

Alle Themen bilden gemeinsam die Basis deiner Geschichte. Aber die Charaktere haben deshalb eine besondere Funktion, weil sich der Leser mit ihnen identifizieren kann. Gute Charaktere fesseln die Leser so stark, dass sie mehrteilige Buch-Reihen über sie lesen wollen.

Aber wie kann man solche interessante und fesselnde Charaktere entwickeln? Dieser Frage werden wir im heutigen sowie im nächsten Blog-Artikel auf den Grund gehen.

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Dieser Blogpost über die Charaktere deiner Fantasy Geschichte ist Teil der Artikel-Reihe „Plane deinen eigenen Fantasy Roman“. Finde hier alle Informationen und eine Übersicht zum Planen deines fantastischen Romans. Auch heute erhältst du wieder eine Wochenaufgabe, damit du am 1. November mit deinem Schreibentwurf starten kannst. Und jetzt fangen wir mit den Vorbereitungen für deine Fantasy Geschichte an!

Verschiedene Arten von Charakteren

Die Romanfiguren können in Haupt- und Nebencharaktere unterteilt werden. Die Hauptcharaktere haben eine wichtige Rolle in der Geschichte, während die Nebencharaktere die Erzählung „nur“ unterstützen. Einer der Hauptcharaktere ist der Protagonist. Er oder sie ist die Figur, deren Geschichte erzählt wird. Der Antagonist ist ihr Gegenspieler.

Verschiedene Plot-Methoden und -strukturen führen auch weitere Charakterarten auf: Bei der Heldenreise gibt es z.B. den Mentor – der den Helden ausbildet – oder den Schatten – eine Figur, die für das steht, was der Held an sich selbst verdrängt.

Ich finde, dass deine Geschichte dir selbst sagt, wieviele Charaktere welcher Art sie benötigt. Ich kann es jedoch absolut verstehen, wenn man sich am Anfang an eine Schablone halten will. Immerhin sind viele Geschichten, die die Leser lieben, nach diesem Schema erzählt worden. Allgemein gilt aber die Regel: So wenige Hauptcharaktere wie möglich und so viele wie nötig.

 

Charakterdesign

Wie entwickelt man nun einen Charakter? Hier gibt es wieder einmal verschiedene Möglichkeiten. Du könntest z.B. ein Interview mit deinem Charakter führen, einen Fragebogen ausfüllen oder anhand eines Kartenspiels deine Figuren kennenlernen.

Ich persönlich verwende einen kleinen Fragebogen (siehe unten), Zeichnungen der Charaktere und Dan Harmons Story Circle (siehe unten) für den Charakterdesign. Natürlich werden nicht alle Charaktere gleich präzise ausgearbeitet. Bei Nebenfiguren reichen bei mir manchmal einfach ein paar Infos auf einer A4 Seite. 

Im Folgenden findest du den Fragenkatalog, den ich über die Charaktere ausfülle, und eine kurze Erklärung zum Story Circle.

 

Allgemeine Informationen

Die allgemeinen Informationen beinhalten Notizen zu Namen, Staats- bzw. Volksangehörigkeit, Themen wie Beruf und Berufung, Familie und Freunde, Religion und Moral sowie magische Fähigkeiten und Ausbildung.

Meine Liste für die allgemeinen Informationen (keine spezifische Reihenfolge):

Physische Merkmale (Aussehen)

Beim Aussehen der Charaktere schreibe ich nicht jedes kleine Detail auf, das mir in den Sinn kommt. Wichtig sind die Informationen, die eine relevante Verbindung zu den Geschehnissen in deiner Geschichte darstellen.

Z.B. eine Narbe, die der Protagonist in der Vergangenheit vom Antagonisten erhalten hat oder eine Kette, die der Protagonist von seiner Mutter bekommen hat, bevor sie vom Antagonisten ermordet wurde usw.

Anstatt das Aussehen der Figuren genau zu beschreiben, mag ich es übrigens auch Skizzen, Zeichnungen und Collagen zu erstellen. Vielleicht ist das ebenfalls eine mögliche Methode für dich?

Meine Liste für die physischen Merkmale (keine spezifische Reihenfolge):

Persönlichkeit

Gerade bei den Themen zur Persönlichkeit des Charakters schreibe ich zu einer Frage oder einem Stichpunkt viel mehr als ein paar Sätze. Hier kann die Beschreibung der Figur gerne einmal mehrere Seiten lang sein.

Meine Liste für die Persönlichkeit deines Charakters (keine spezifische Reihenfolge):

Charakterentwicklung (character arc) und Dan Harmons Story Circle

Charakterentwicklung

Anfangs eine kleine Bemerkung zum Begriff Charakterentwicklung: Ich finde es sehr verwirrend, dass „Charakterentwicklung“ zwei verschiedene Bedeutungen haben kann. Damit kann z.B. gemeint sein, wie du als Autor die Figuren für deine Geschichte erschaffst. Oder man meint damit, die Entwicklung, die der Charakter selbst in der Geschichte durchläuft (auf Englisch: character arc).

Das ist der Grund wieso ich für die erste Bedeutung die Bezeichnung „Charakterdesign“ verwende und für die zweite Bedeutung „Charakterentwicklung„. Bin nur ich von diesem Bezeichnungs-Konflikt verwirrt oder geht es dir genauso? Kennst du vielleicht andere, offizielle Begriffe dafür?

Nach diesem kleinen Einschub zurück zum eigentlichen Thema: Charakterentwicklung im Sinne des englischen „character arc„. In einem guten, fesselnden Roman ist der Charakter am Anfang der Geschichte eine andere Person als am Ende der Geschichte.

Es kann z.B. sein, dass die Figur am Anfang eine schlechte Eigenschaft hat, die sie im Verlauf des Romans ablegt und zu einer besseren Person wird. Oder der Charakter ist am Anfang lieb und nett und in der Geschichte erlebt er gewisse Dinge, die ihn am Schluss zu einer rachsüchtigen und hasserfüllten Person werden lässt.

Dan Harmons Story Circle

Eine Methode, eine solche Charakterentwicklung in deinen Geschichten-Plan einzufügen, ist der Story Circle. Diesen habe ich dank Rachael Stephen kennen gelernt. Racheal ist eine schottische Schriftstellerin, die auf Youtube und in ihrer „Story Magic Acadamy“ verschiedene Storytelling Systeme lehrt, u.a. mit der Plotting-Methode des Story Circles.

Was ist jetzt aber dieser Story Circle?

Der Story Circle (oder auch Plot Embryo) ist eine Plotting-Methode, die von Dan Harmon, dem Erschaffer der Serie „Community“, entwickelt wurde. 
Anstatt 7 Punkte wie Dan Wells 7-Punkte-System hat Dan Harmons Story Circle 8 Teile. Einen graphischen Vergleich siehst du in der unteren Darstellung. Ausserdem konzentriert sich der Story Circle meiner Meinung nach noch stärker auf den Charakter.

Wie du weisst, brauche ich den Story Circle nicht in der Plotting-Phase (da arbeite ich mit dem 7-Punkte-System). Ich verwende ihn für die Charakterentwicklung bei wichtigen Figuren und um die Handlung in der Geschichte zu verifizieren.

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Story Circle vs. 7-Punkte-System

Symmetrie im Story Circle

Interessant sind auch die unterschiedlichen Symmetrien, die sich im Story Circle aufzeigen.

Einerseits kann man den Kreis vertikal teilen und erhält die linke Seite, die für die Veränderung (change) des Charakters steht, sowie die rechte Seite, die die Stasis der Figur symbolisiert. Das bedeutet, dass der Charakter in der Mitte der Geschichte von einem Zustand der Reaktion zu einem Zustand der Aktion wechselt.

Andererseits ist es auch möglich, den Kreis horizontal zu teilen. So erhält man einen oberen Teil, der die Ordnung (order) darstellt und einen unteren Teil der für das Chaos steht. Das heisst, dass der Charakter am Anfang der Geschichte von der gewohnten Umgebung, der Ordnung, ins Chaos gestürzt wird und am Schluss der Geschichte vom Chaos wieder zurück in die Ordnung kehrt.

Das sind nicht die einzigen Symmetrien, die man im Story Circle findet. Es ist ein Kreis, was bedeutet, dass der Charakter im Teil Nr. 2 dem Charakter im Teil Nr. 6 gegenübersteht, der Charakter im Teil Nr. 1 dem im Teil Nr. 5 usw.

Diese Symmetrien machen aus dem Story Circle ein sehr interessantes Werkzeug, um die Charaktere in deiner Geschichte zu analysieren und verbessern.

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Symmetrien im Story Circle

Die 8 Teile des Story Circles

Die 8 Teile des Story Circles sind sehr kurz bezeichnet: „You“, „Want“, „Go“, „Search“, „Find“, „Take“, „Return“ und „Change“. Heute gehe ich noch nicht präziser auf die einzelnen Bereiche ein.

Aber falls du jetzt schon mehr über den Story Circle wissen möchtest, empfehle ich dir die Website von Rachael Stephen  https://www.rachaelstephen.com/plot oder ihre Videos zu diesem Thema, besonders das Youtube Video zum Plot Embryo.

Nächste Woche werde ich anhand des Protagonisten und Antagonisten ein Beispiel für den Story Circle aufzeigen und die einzelnen Schritte so genauer erklären. Aber hier siehst du schon einmal, wie der gesamte Story Circle leer aussehen kann:

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Dan Harmons Story Circle

Wochenaufgabe #4

Nachdem du gerade Information zum Charakterdesign erhalten hast, wird dich die Aufgabe für diese Woche nicht überraschen: Beantworte die Fragen zu den allgemeinen Informationen, den physischen Merkmalen und der Persönlichkeit deines Charakters. Wenn du Lust hast, kannst du auch gerne Dan Harmons Story Circle nachzeichnen und versuchen, den Story Circle für deine Charaktere auszufüllen.

Ich bin gespannt auf deine Geschichte. Wie immer freue ich mich über jeden Input oder Tipp, den ich auf Instagram, per Mail oder direkt in den Kommentaren erhalte.

Und jetzt wünsche ich dir noch eine fantastische Woche!

 

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