Hexenverfolgung

Als Hexenverfolgung verstehen wir das Aufspüren, Festnehmen, Foltern und Bestrafen (Hinrichten) von Menschen, denen nachgesagt wurde, sie würden Zauberei praktizieren bzw. mit dem Teufel in Verbindung stehen.

Ursprung und Ursache

Der Ursprung der Hexenverfolgung liegt im Mittelalter. Beginn dieses düsteren Kapitels in der Geschichte der Menschheit war im Jahre 1450, ihren Höhepunkt erreichte die Verfolgung der Opfer zwischen 1550 bis 1650.

Das Gebiet des heiligen Römischen Reiches war Hauptschauplatz dieser Grausamen Taten. Schätzungsweise wurden in Europa bis zu 3 Millionen Menschen der Prozess gemacht, von denen etwa 40.000 – 60.000 von ihnen wurde hingerichtet.

Ein Interessanter Aspekt ist, dass in Nordeuropa mehr Männer und in Mitteleuropa mehr Frauen Opfer dieser Verfolgung wurden.

Doch wie kam es dazu, dass Menschen mit einem derartigen Vorwurf konfrontiert wurden?

Die Menschen versuchen seit jeher Erklärungen für Dinge zu finden, die sie nicht mit ihrem Wissen erklären können. So auch die Menschen im Mittelalter. Bildung war zu der Zeit nicht weit verbreitet. Nur die Reichen und Geistlichen besaßen eine gewisse Bildung, auch war das Gottvertrauen tief verwurzelt in dem Denken der Menschen.

Starb einem Bauern z.B. seine Kuh (was damals ein herber Verlust war), obwohl sie gesund und jung war, so dachte dieser, er wäre verflucht worden. Es wurde nicht nach der Ursache für das Unglück gesucht wie z.B. verdorbenes Futter oder eben eine Krankheit, die man nicht sieht.

Die Kirche tat ihr übriges, um die Angst der Menschen vor Hexen zu schüren, sie verleiteten die Menschen dazu, ihr Mitbürger anzuzeigen, sollten sie den Verdacht haben jemand würde Hexerei praktizieren. So wurden noch mehr Unschuldigen, als ohne hin schon, der Prozess gemacht, in der Hoffnung, wenn man die Hexen ausrottet, dass die schlimmen Dinge, die passierten aufhörten.

Zu Beginn der Verfolgungen gab es offensichtliche Merkmale, die eine Frau als Hexe identifizieren sollten.

Eine Hexe besaß demnach eine oder mehrere folgender Merkmale:

Somit wurden alle Frauen, die solche Merkmale aufwiesen, verfolgt und oft ermordet. Später wurden diese Merkmale revidiert. Heinrich Kramer ein Mönch aus dem Elsass, schürte die Angst und das Misstrauen indem er den Leuten sagte, man könnte Hexen gar nicht an solchen Äußerlichkeiten erkennen. 

So wurden auch Frauen angeklagt, die mithilfe der Natur, den Menschen half kleinere Krankheiten oder Verletzungen zu heilen. Denn wie man zu der Zeit glaubte, war nur Gott derjenige, der so etwas tun durfte und konnte. Er war der einzige, der darüber entschied wer gesund wurde und wen er zu sich holte.

Hexenprozesse, Verurteilung und Hinrichtungen

Wurde eine vermeintliche Hexe festgenommen, wurde ihr der (nicht wirklich faire) Prozess gemacht.
Eine Veranstaltung, die, wie Hinrichtungen hauptsächlich zur Unterhaltung des Volkes diente.

Das Verfahren bei Hexenprozessen war nach folgendem Muster aufgebaut:

1. Anklage:

Oft ging einer tatsächlichen Anklage eine jahrelange Phase des Gerüchtes voraus. Die Anklage konnte auf Grund einer Denunziation erfolgen, die von einer bereits inhaftierten Hexe erfolgt war. Selten gestand man vermeintlichen Hexen das Recht auf eine Verteidigung zu.

2. Inhaftierung:

Gefängnisse im heutigen Sinne gab es noch nicht, deshalb hielt man die Angeklagten in Kellern oder Türmen gefangen. Die heute noch an vielen Orten anzutreffenden Hexentürme meist allgemeine Gefängnistürme, teils auch einfach nur Türme der Stadtmauern.

Zu Beginn des Prozesses wurde die angeklagte Person vollständig entkleidet und rasiert. Das tat man, damit sie kein Zaubermittel verstecken konnte bzw. um ihre Zauberkraft zu brechen. Dann wurde sie am ganzen Körper nach einem Hexenmal (Muttermale) untersucht. Bei dieser Gelegenheit kamen auch Vergewaltigungen des Opfers durch die Henker vor.

3. Verhör:

Man unterscheidet in der Regel drei Phasen des Verhörs: die gütliche Befragung, die Befragung mit Vorzeigen und Erklären der Folterinstrumente und die peinliche Befragung, bei der die Folter Anwendung fand.

4. Hexenproben:

Das offizielle Gerichtsverfahren sah keine Hexenprobe vor, ja eigentlich galt ein Verbot ihrer Anwendung. Dennoch griffen viele Gerichte in den verschiedensten Teilen des Heiligen Römischen Reiches auf sie zurück. Die Bewertung der Hexenproben war ebenso unterschiedlich wie überhaupt ihre Anwendung. Manchmal galten die Hexenproben als starker Beweis, manchmal als schwacher. Folgende Hexenproben sind die bekanntesten:

5. Geständnis:

Niemand durfte in der Frühen Neuzeit ohne ein Geständnis verurteilt werden – das galt auch für die Hexenprozesse. Doch aufgrund der Regeln in der Anwendung der Folter war die Wahrscheinlichkeit, ein Geständnis zu erlangen, bei Hexenprozessverfahren um ein Vielfaches höher als bei anderen Prozessen.

6. Befragung nach Mitschuldigen:

Da die Hexen laut der Hexenlehre auf den Hexensabbaten ihre Mitgenossen trafen, mussten sie diese auch kennen. In einer zweiten Verhörphase wurden die Angeklagten nach den Namen der anderen Hexen bzw. Hexenmeister befragt, auch wieder mit Anwendung der Folter. Dadurch wurde die Liste der Verdächtigen unter Umständen immer länger, da unter Folter immer neue Menschen beschuldigt wurden, ebenfalls Hexen zu sein. Das Resultat waren regelrechte Kettenprozesse.

7. Verurteilung

8. Hinrichtung:

Auf das Verbrechen der Hexerei stand die Strafe des Feuertodes, also der Scheiterhaufen, auf dem man lebendig verbrannt wurde, um die Seele zu reinigen. Die Hexe wurde an einen Pfahl inmitten eines Reisighaufens gefesselt, woraufhin der Reisighaufen entzündet wurde. Als Akt der Gnade galt die vorherige Enthauptung, Erdrosselung oder das Umhängen eines Schwarzpulversäckchens um den Hals.

Die bekanntesten Prozesse sind die Hexenprozesse von Salem.

Hexenverfolgungen in der Neuzeit

Auch heute werden noch Menschen, hauptsächlich junge Mädchen und Frauen, verfolgt mit dem Vorwurf sie wären Hexen. Mittlerweile haben sich diese Prozeduren nach Afrika, Südostasien und Lateinamerika verschoben.

 Seit 1960 sind vermutlich mehr Menschen wegen Hexerei hingerichtet oder umgebracht worden als während der gesamten europäischen Verfolgungsperiode. Allein im ostafrikanischen Tansania werden seit den 1990er-Jahren jährlich 100 bis 200 Fälle von Morden an vermeintlichen Hexen bzw. Zauberern berichtet. In Südafrika bekamen Hexenjagden besonders durch die Comrades, eine Jugendorganisation, seit Mitte der 1980er Jahre eine starke Bedeutung. Seit der Befreiung stiegen die Hexenjagden in den 1990ern nochmals an, die jährlichen Opferzahlen schätzt man auf mehrere Dutzend bis Hunderte.

In Westafrika wurden in den 1970ern Hexen für eine Epidemie verantwortlich gemacht. Anstatt Impfprogramme zu initiieren, ließ die Regierung im Radio Geständnisse alter Frauen verbreiten, dass diese die Gestalt von Waldkäuzen angenommen haben, um die Seelen der kranken Kinder zu stehlen.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts werden insbesondere die Fälle der sogenannten Hexenkinder im Kongo in die Aufmerksamkeit gerückt. Die Aggression gegen Kinder als vermeintliche Verursacher der Krankheit AIDS und des Todes der Eltern nimmt anscheinend zu, aus Nigeria, Benin, wie auch Angola sind gleichlautende Berichte zu vernehmen. In einigen Ländern Afrikas – z. B. in Kamerun, Malawi – ist seit deren Unabhängigkeit eine Gesetzgebung gegen Hexerei wieder eingeführt worden, in nahezu allen afrikanischen Staaten gibt es entsprechende Diskurse.

Dies wird als Versuch der Verrechtlichung von Hexenprozessen gewertet, um unkontrollierte Verfolgungen der verdächtigten Personen einzuschränken. Von den meisten Experten wird dieses Ziel als zum Scheitern verurteilt erachtet, darüber hinaus werden elementare Prinzipien des modernen Rechtsstaates missachtet: Der Gerichtssaal kann nur die öffentliche Meinung bedienen, er ist verlängerter Arm des Lynchmobs. Auch in der Zentralafrikanischen Republik und besonders in Kenia kommt es häufig zu Anschuldigungen und Hexenverfolgungen. Die offizielle ghanaische Politik zur Schließung der dortigen Hexenlager und Rückansiedelung der geflüchteten Frauen war Nichtregierungsorganisationen zufolge bislang erfolglos.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung

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