Hexen und Zauberer in Märchen

In den Köpfen vieler Menschen ist das Bild einer Hexe stets eine alte hässliche Frau, die mit ihren Zauberkräften etwas Böses im Schilde führt. Sei es Kinder zu mästen, um sie zu essen, oder die armen Dorfbewohner mit Schadenszauber in Angst und Schrecken zu versetzen.

Illustration zu Hänsel und Gretel von Arthur Rackham (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hansel-and-gretel-rackham.jpg)

Doch woher stammt diese fixe Idee?

Vor dem düsteren Mittelalter wurden Wesen mit magischen Fähigkeiten wie zum Beispiel Druiden oder Götter, wegen ihrem besonderen Wissen und Können verehrt aber auch gefürchtet. Wie genau die Menschen Zauberer und Magierinnen in der Antike sahen erfährt ihr ab dem 28.08.21 im Blogpost von Nadine H. Engel

Im Allgemeinen glaubte man jedoch, dass Hexen anderen ihren Willen aufzwingen könnten und Zaubertränke brauen, die unfruchtbar oder krank machten. Auch das Wetter konnten sie nach Belieben beeinflussen und so Dürren und Missernten hervorrufen.

Wenn etwas schief ging, war sicher eine Hexe daran schuld.

Die Angst magisch befähigte Menschen könnten sich durch ihre Zauberkräfte einen Vorteil schaffen oder gar jemandem Schaden, wuchs zu einem regelrechten Hexenwahn heran. Das ging so weit, dass im antiken römischen Recht jeglicher Schadenzauber unter Strafe stand. 

Mit dem Beginn des Christentums wurde dann die Kirche beauftragt, allen übersinnlichen Fähigkeiten auf den Grund zu gehen. Hexen wurde unterstellt, einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein. Es hiess, sie würden ihm auch sexuell dienen, um von ihm Macht zu erlangen.

Vor allem Frauen wurden der Hexerei beschuldigt, da schon Eva dem Teufel in Schlangengestalt nicht widerstehen konnte. Man war davon überzeugt, dass das schwache Geschlecht nicht nur körperlich dem Mann unterlegen sei, sondern auch keine Willensstärke hätte. Sobald sich das Weib in Satans Fängen befinde, wäre sie ihm hörig und würde Männer dazu verführen ebenfalls zur dunklen Seite hinüber zu wechseln. 

Copyright: Gemeinfrei

Hexen als Bedrohung des Glaubens

Waren die Zauberer und Magierinnen der vorchristlichen Zeit noch in der Lage zu entscheiden, ob sie mit ihren Fähigkeiten dem Guten oder dem Bösen dienen wollten, so herrschte im Mittelalter die Überzeugung Hexen seien durchweg böse.

Sie galten als absolute Ketzer, die die Kirche verspotten und sich beim Hexensabbat gegen das Christentum verschworen. Daher sah sich die Kirche gezwungen gegen diese Hexensekte und ihre Bedrohung des Glaubens, vorzugehen. Frauen, aber auch Männer, die unter dem Verdacht standen, übernatürliche Praktiken nachzugehen, wurden verfolgt und unter Folter zu einem Geständnis gezwungen. Die Kirche hatte für diese Aufgabe eine spezielle Abteilung kreiert. Die Inquisition sollte suspekte Personen ausfindig machen und verhören. Dann wurde ihnen der Prozess gemacht und schuldig befundene Individuen wurden verbrannt. 

Genaueres über die Hexenverfolgung im Mittelalter könnt ihr dann ab dem 24.08.21 im Blogpost von Sarah Ollenburg erfahren.

Diesem dunklen Kapitel der Geschichte fielen zig Tausende Menschen zum Opfer.

Die böse, alte Hexe

Doch wieso haben wir eine alte Frau mit Warzen im Gesicht vor Augen, wenn wir an Hexen denken?

Man nimmt an, dass die Gebrüder Grimm dafür verantwortlich sind, die ihre Kinder- und Hausmärchen zwischen 1812 und 1858 an die Öffentlichkeit brachten. Und wenn wir schon mit dem Finger auf jemanden zeigen, dann am besten auf Ludwig Grimm, den jüngeren Bruder von Jacob und Wilhelm. Aus dessen Zeichenfeder stammt die erste Zeichnung der Hexe aus Hänsel und Gretel, die wir alle kennen. 

Vor dem Knusperhäuschen steht sie gebückt und lockt die ahnungslosen Geschwister in ihre Hütte, wo sie die Kleinen dann mästen und essen will.

Auch wenn nicht jeder von uns die Illustration gesehen hat, so wurde doch genau dieser Prototyp der Hexe über Generationen weiter gegeben und hat sich in unseren Köpfen festgesetzt. Die Gebrüder Grimm waren anscheinend so sehr fasziniert von der Idee eines alten Weibes mit magischen Fähigkeiten, welche diese zum Bösen verwendet, dass in deren 200 Kindermärchen über 50 Hexen vorkommen. 

Die bekanntesten Märchen in der eine Hexe oder eine alte böse Fee auftreten sind wohl Hänsel und Gretel, Schneewittchen, Rapunzel und Dornröschen. Die letzten vier wurden von Disney in Zeichentrickfilmen nacherzählt und lieferten einer weiteren Schar von Kindern ein Bild der bösen Hexe.

Aber auch im Kunstmärchen „Die kleine Meerjungfrau“ vom dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen taucht eine Hexe auf. Die Protagonistin tauscht bei der Meerhexe ihre Stimme gegen einen Trank, der aus ihrem Fischschwanz Beine machen soll. Wieder ist es eine alte Frau, die der Hauptfigur des Märchens schaden will. 

Auch Baba Yaga aus der slawischen Mythologie ist kein hübsches junges Mädchen, das selbstlos irgendwelchen Prinzen helfen würde.

Daher ist klar, die Hexe gehörte stets zu den Antagonisten.

Baba Jaga fliegt auf dem Besen Iwan Bilibin (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Baba_Jaga#/media/Datei:Bilibin._Baba_Yaga.jpg)

Der gute Zauberer

Der Zauberer gehört jedoch in unserer Vorstellung eher zu den Guten. Als weiser alter Mentor hilft er dem Helden aus brenzlichen Situationen. Er steht dem Protagonisten so manch einer Geschichte mit geheimem Wissen zur Seite und rettet auf diese Weise die Geschichte. 

In Märchen sind zwar ebenfalls böse Magier vertreten, doch sind es meist weibliche Antagonistinnen, die als Hexen zwischen dem Prinzen und der holden Maid stehen. 

Doch zum Glück hat sich in den letzten 50 Jahren das Bild der Hexe gewandelt. Nun finden wir starke, selbstbewusste, junge und vor allem umwerfend schöne Hexen in Büchern und Filmen. Sie gelten als Rebellinnen, als Frauen, die sich nicht mehr alles Gefallen lassen und gegen die bösen Mächte kämpfen. 

So wie sich das Frauenbild gewandelt hat, so wurde auch die Hexe der Neuzeit rehabilitiert und ist nicht mehr dazu verdammt mit dem Teufel im Bunde zu sein. 

Lässt sich nur hoffen, das kommende Generationen von Kindern viele positive weibliche Protagonistinnen in den Geschichten finden werden und dass die alte böse Hexe nur noch in den vergangenen Märchen ihr Unwesen treibt.  

 

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