Dein eigener Fantasy Roman – #1 Die Grundlagen

Beim Überarbeiten meiner Kriegerinnen-Trilogie fange ich mit den Grundlagen an. Ich gehe wieder an den Anfang zurück und überprüfe Konflikt, Thema und Pitch.

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Inhaltsverzeichnis

Die Grundlagen des Geschichten-Planens

Von der Grundidee zum Pitch

Die Grundidee

Du hast bestimmt schon eine Grundidee für deinen Fantasy Roman. Das ist vielleicht eine Szene in deinem Kopf, ein Charakter oder ein besonderes Setting.

Wenn nicht habe ich schon früher darüber geschrieben, woher unsere Ideen kommen, zum Beispiel hier oder hier. Vielleicht können dich ja einige der Tipps zur Ideenfindung inspirieren.

Für meine Beispiel-Geschichte „Heilhexe“ hatte ich gleich die Anfangsszene im Kopf, wie ein Fremder in den Laden der Hexe Lily stürzt. Daraus ergab sich dann Folgendes:

Lily ist eine Heilhexe und führt einen Laden für magisches Zubehör in Chicago. Eines Abends flüchtet ein verletzter Fremder in ihr Geschäft. Lilys Ehre als Heilerin zwingt sie dazu, dem Mann zu helfen, obwohl sie ahnt, dass sie sich damit in fragwürdige Machenschaften verwickelt. Doch in welch grosse Gefahr sie sich wirklich begibt, wird ihr erst bewusst, als es schon zu spät ist.

Hier möchte ich aufbauen, denn aktuell ist die Roman-Idee noch recht schwammig: Wer ist der Fremde? Woher weiss Lily, dass er gefährlich ist? Worin ist er verwickelt?

Brainstorming und Mindmap

Natürlich reicht diese Grundidee nicht aus, um einen ganzen Roman darauf aufzubauen. Deshalb muss man noch weitere Ideen für die Handlung, das Setting, die Charaktere usw. entwickeln.

Es gibt viele Methoden zur Ideenfindung. Eine der bekanntesten ist die des Brainstormings. Man schreibt einfach alles auf ein Blatt Papier, was einem zu einem gewissen Thema in den Sinn kommt. Es gibt noch keine Wertung oder Gruppierung der Einfälle.

Ich persönlich arbeite meistens mit Mindmaps, um weitere Grundlagen für die Handlung, die Charaktere und das Setting zu entwickeln. Beim Mindmapping hat man ein zentrales Thema, das in verschiedene Unterthemen unterteilt werden kann, zu denen wiederum Unterunterthemen gehören. Die eigenen Gedanken und Ideen werden so kategorisiert.

Recherche

Auch bei Fantasy Romanen muss man recherchieren. Mögliche Quellen dazu sind:

– Google z.B. zur groben Erstrecherche
– Dokumentarfilme z.B. über das Mittelalter
– Fachliteratur z.B. Mythologie, Legenden etc.
– Bestehende Romane zu einem ähnlichen Thema als Inspiration und Referenz

Der Pitch

Mittlerweile habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr hilfreich ist, möglichst früh einen Pitch für das eigene Werk zu verfassen. Einerseits hat man so immer eine Antwort auf die typische Frage „Und worum geht es in deinem Buch?“ parat. Andererseits hilft dir der Pitch auch, deine Geschichte zu überprüfen, ob sie auch wirklich Lust aufs Lesen macht.

Was genau ist ein Pitch? In wenigen Sätzen wird eine Geschichte spannend und faszinierend zusammengefasst. Möglichst so, dass der Gegenüber einfach mit dem Lesen anfangen muss.

Ich selbst stelle mich beim Pitchen wirklich nicht so gut an. Da muss ich noch viel üben. Aber dank folgendem Material konnte ich schon einiges lernen:

Annika Bühne man von „Vom Schreiben leben“ hat in diesem Artikel super erklärt, wie du den perfekten Pitch schreibst.

Auch die Schreibdilettanten haben über den Pitch gesprochen. In diesem YouTube Video sprechen sie über Fehler beim Pitchen und in diesem Artikel hilft Marcus Johanus dir dabei, deinen eigenen Pitch zu erstellen.

Die junge Heilhexe Lily hilft dem Werwolf und Dieb Bastian dabei, seine kranke Schwester zu heilen, obwohl Hexen und Werwölfe Todfeinde sind und sowohl die Hexen wie auch die Werwölfe sie für ihre Einmischung töten wollen.

Konflikt, Thema und Prämisse

Der Hauptkonflikt

Konflikt in einem Roman entsteht, wenn ein Charakter etwas unbedingt möchte und ihm unterschiedliche Hindernisse im Weg stehen, um zu bekommen, was er will. In einer Geschichte gibt es jeweils einen Hauptkonflikt, der am wichtigsten ist. Parallel dazu gibt es unterschiedliche Nebenkonflikte.

Es gibt verschiedene Arten von Konflikten wie z.B. Mensch gegen Mensch, Mensch gegen Natur, Mensch gegen sich selbst, Mensch gegen Technologie, Mensch gegen die Gesellschaft oder Mensch gegen das Übernatürliche.

Konflikte in der Beispiel-Geschichte „Heilhexe“:

Hauptkonflikt:

Lily sieht, wie schlecht es den Werwölfen geht und möchte ihnen helfen, obwohl das gegen alles geht, was sie von ihren Hexenschwestern gehört hat.

 

Nebenkonflikt:

Lily verliebt sich in Bastian, obwohl er so viel von dem verkörpert, was sie verabscheut.

Das Hauptthema

Das Thema in einem Roman beschreibt ein Sujet, das sich durch die gesamte Geschichte zieht. Die ganze Story dreht sich um das Hauptthema. Doch wie bei den Konflikten gibt es auch hier Nebenthemen, die weniger wichtig sind wie das Hauptthema. Beispiele für Themen sind Liebe, Verrat, Rache usw.

Hier gelangst du zu einem sehr hilfreichen Artikel von der Schreibtechnikerin.

Themen in der Beispiel-Geschichte „Heilhexe“:

Hauptthema:

Liebe vs. Hass

 

Nebenthema:

Selbstvertrauen

Die Prämisse

Die Prämisse in einem Roman ist eine Behauptung, die man zu Anfang stellt und die es im Verlauf der Erzählung zu beweisen gilt. Häufig hängt die Prämisse mit dem Hauptthema und dem Hauptkonflikt zusammen.

Die Prämisse ist für mich eines der schwierigsten Schreibthemen, die es gibt. Braucht man sie wirklich? Ist sie hilfreich oder eher verwirrend?

Dazu habe ich während meiner Recherchen folgende Seiten gefunden:

Prämisse: Die Essenz deiner Geschichte von der Schreibtechnikerin

Lass deinen Helden Lügen glauben von Annika Bühnemann

YouTube Videos von den SchreibDilettanten zu dem Thema:

Prämisse

Die Prämisse – hilfreich oder anstrengend?

Beispiel
Harry Potter von J. K. Rowling
Thema: Gut vs. Böse
Prämisse: Liebe besiegt das Böse

Die Prämisse der Beispiel-Geschichte „Heilhexe“ könnte so lauten:

(Nächsten-)Liebe ist stärker als Vorurteile und Hass.

grundlagen-des-geschichten-planens-outline
Die Grundlagen des Geschichten-Planens (oder auch: Outlinings) bilden die Basis für deinen Fantasy Roman.

Eigenschaften der Geschichte

Genre

Das Fantasy Genre ist riesig. Es gibt so viele spannende Subgenres: High Fantasy, Epic Fantasy, Sword & Sorcery, Low Fantasy, Contemporary Fantasy u.v.m. Mein absolutes Lieblingsgenre ist Urban Fantasy. Falls du dich für Urban Fantasy interessierst kannst du hier meinen Artikel dazu lesen.

Alterskategorie

Ich höre häufig, dass ein Buch zum „Genre“ Young Adult oder New Adult gehört. Aber Young Adult und New Adult sind keine Genres, sondern Alterskategorien. Damit meine ich, dass das primäre Zielpublikum sowie die Hauptcharaktere im Buch einer gewissen Altersgruppe zugeordnet werden. Das heisst natürlich nicht, dass man mit 25 keine YA Bücher mehr lesen darf, sondern hat mit den Themen und dem Schreibstil in den Romanen zu tun.

Auch wenn Bücher für die gleiche Altersgruppe ähnliche Themen behandeln, muss man die Alterskategorie trotzdem vom Genre trennen. Ein Roman kann zum Genre „Fantasy“ gehören und gleichzeitig Young Adult sein. Oder es gibt einen „Thriller“ für die Alterskategorie New Adult.

Was ich damit meine siehst du im Folgenden:

Young Adult

Young Adult (YA) Bücher sind Geschichten für „Junge Erwachsene“. Die Hauptcharaktere sind ca. zwischen 14 und 18 Jahre alt. Themen wie die erste Liebe, Freundschaft, Erwachsen werden, die Schule und seine Unsicherheiten werden hier behandelt.

Beispiel für einen YA Fantasy Roman
Chroniken der Unterwelt-Reihe von Cassandra Clare

New Adult

Die Hauptcharaktere von New Adult (NA) Büchern sind ca. zwischen 18 und 26 Jahre alt. Sie thematisieren den Einstieg ins Erwachsenenleben. Es geht z.B. um die erste Wohnung, den ersten Vollzeit-Job usw. Sowohl die Themen wie auch der Schreibstil ist im Vergleich zu YA Büchern reifer.

Beispiel für einen NA Fantasy Roman
Gewisse Bücher von Jennifer L. Armentrout

Adult

Romane für Erwachsene haben keine klare Altersabgrenzung bei den Charakteren. Sie können 25 Jahre alt sein oder auch über 60. Die Themen, die Sprache und der Schreibstil können bei Gewalt und Sex auch sehr bildlich werden.

Beispiel für einen Fantasy Erwachsenen-Roman
Stadt der Finsternis-Reihe von Ilona Andrews

All Age

Ich bin nicht sicher, ob man bei Büchern in der Alterskategorie All Age (also für alle Altersklassen) sagen kann, dass die Zielgruppe kein bestimmtes Alter hat. Die Beispiele, die mir hier in den Sinn gekommen sind, waren ursprünglich für eine bestimmte Altersgruppe geplant, wurden aber mit der Zeit von allen möglichen Altersgruppen konsumiert.

Beispiel für einen All Age Fantasy Roman
Harry Potter-Reihe von J. K. Rowling

Erzählperspektive

Die Erzählperspektive beschreibt, wer die Geschichte erzählt und wieviel der Erzähler weiss.

Ich-Erzähler

Beim Ich-Erzähler wird die Geschichte von der 1. Person Singular aus erzählt. Der Ich-Erzähler ist oft der Protagonist bzw. die Protagonistin. Hier erlebt der Leser die Geschehnisse aus der Sicht des Ich-Erzählers. Der Leser ist voll in der Geschichte drin.

Beispiel
Stadt der Finsternis-Reihe von Ilona Andrews

Auktorialer (allwissender) Erzähler

Der auktoriale oder allwissende Erzähler berichtet von aussen von den Geschehnissen in der Geschichte. Er sieht mehr als die Charaktere und weiss auch mehr als die Charaktere. So kann er Geheimnisse aufdecken oder Voraussagen machen. Der auktoriale Erzähler kann die Abläufe in der Geschichte auch kommentieren und werten.

Beispiel
Matilda von Roald Dahl

Personaler Erzähler

Der personale Erzähler ist meistens eine der Figuren in der Geschichte. Er erlebt die Geschehnisse mit und kann somit nicht alles wissen. Texte mit einem personalen Erzähler sind in der 3. Person Singular geschrieben (er-/sie-Form).

Beispiel
Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling

Neutraler Erzähler

Der neutrale Erzähler beschreibt wie der auktoriale Erzähler die Geschehnisse von aussen. Jedoch wertet der neutrale Erzähler nicht.  Der neutrale Erzähler tritt häufig bei Dialogen auf oder in Sachbüchern.

Zeitform

In der Belletristik gibt es hauptsächlich zwei Zeitformen: das Präsens bzw. die Gegenwart oder das Präteritum bzw. die Vergangenheit.

Gegenwart

Schreibt man eine Geschichte in der Gegenwarts-Form erlebt der Leser die Geschehnisse so mit, wie sie tatsächlich passieren. Er ist sozusagen live dabei. Die Zeit der Geschehnisse entspricht auch der Zeit in der erzählt wird.

Vergangenheit

Die Zeit der Geschehnisse ist hier vergangen, sie entspricht nicht der Zeit, in der erzählt wird, nämlich der Gegenwart. Wenn dein Protagonist der Erzähler ist, ist er zu dem Zeitpunkt, wenn er die Geschichte erzählt, weiser als zu dem Zeitpunkt, als die Geschehnisse stattfanden.

Stand-Alone, Trilogie oder Reihe?

Schreibe ich eine Reihe aus 10 Teilen oder ist mein Roman ein Stand-Alone?

Zugegeben, in Fantasy sind Trilogien und Buchreihen sehr beliebt. Ich selbst habe in meinem Leben noch nicht so viele Fantasy Stand-Alones, also Einzelbänder, gelesen (was ich aber in Zukunft noch ändern möchte). Aber ein Beispiel für einen Stand-Alone Fantasy Roman, der mir sehr gefallen hat ist „The Coldest Girl in Coldtown“ von Holly Black.

Haupt- und Untertitel

Ich habe fast immer Schwierigkeiten beim Finden von Titeln und Namen für meine Geschichten. Meine Texte haben für eine lange Zeit nur einen Arbeitstitel. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, aber mir fällt bis zum letzten Moment nichts Gutes ein. Um mich inspirieren zu lassen und meine Kreativität anzukurbeln, greife ich oft zu so genannten Namens- bzw. Titel-Generatoren.

Das sind Webseiten, die dir zufällig zusammengestellte Fantasie-Titel liefern. Die Titel-Beispiele geben nicht immer Sinn und manchmal sind es sehr lustige Kombinationen von Wörtern, aber vielleicht führen sie dich zu einer tollen Titelidee:

https://blog.reedsy.com/book-title-generator/fantasy/
https://www.fantasynamegenerators.com/book-title-generator.php
https://www.fantasyliterature.com/library/fantasytitlegenerator.html

Hier als Beispiel die Geschichten-Eigenschaften von "Heilhexe":

Titel: Heilhexe

Untertitel: –

Stand-Alone

Genre: Urban Fantasy

Alterskategorie: Adult

Erzählperspektive: ich-Erzähler

Zeitform: Präsens (Gegenwart)

Der Kurz-Plot

Der Plot oder die Handlung beschreibt, was in der Geschichte passiert. Als Vorbereitung zur Ausarbeitung eines ausführlichen Plots, entwerfe ich während dem Brainstorming und Mindmapping einen Kurz-Plot, der klassisch gegliedert ist in Anfang, Mitte und Ende.

Anfang

Der Anfang (Exposition) stellt die Hauptfiguren dar und was ihre Wünsche sind. Es zeigt die Protagonisten in ihren jeweiligen Alltagssituationen bis ein Ereignis geschieht, dass sie aus ihrem Alltagsleben herauszerrt.

Anfang von „Heilhexe“:

Eines Abends stürmt der für sie fremde Werwolf Bastian in Heilhexe Lilys Laden für magisches Zubehör in Chicago und stürzt schwer verletzt zusammen. Obwohl Lily sofort merkt, dass er ein Werwolf ist und somit zu ihren verhassten Todfeinden gehört, zwingt die Ehre als Heilerin sie dazu, ihn zu kurieren. Sie betreut ihn mehrere Tage lang, bis Bastian wieder gesund ist. Als dieser ihre unglaublichen Fähigkeiten als Heilerin entdeckt, nimmt er die nur anfangs widerwillige Lily mit zu seiner Familie, damit sie seine Schwester von einer tödlichen Werwolf-Krankheit heilen kann.

Mitte

Die Mitte stellt den Konflikt dar. Die Protagonisten wollen etwas und versuchen alles, damit sie ihre Wünsche erreichen. Sie treffen aber immer wieder auf Hindernisse, die das verhindern wollen.

Mitte von „Heilhexe“:

Lily macht sich mit Bastian auf dem Weg zu seiner Familie. Unterwegs werden sie sowohl von Hexen wie auch von Werwölfen angegriffen, die verhindern wollen, dass eine Hexe mit einem Werwolf zusammenarbeitet. Mit der Zeit wird immer klarer, dass beide Fraktionen etwas zu verheimlichen versuchen, was mit der mysteriösen Krankheit zu tun hat. Lily und Bastian schaffen es doch noch zu Bastians Schwester. Lily untersucht sie und findet heraus, wie man die geheimnisvolle Krankheit heilen kann. Lily und Bastian wollen das Heilmittel unter den Werwölfen verbreiten, aber sowohl Hexen wie auch Werwölfe möchten sie daran hindern.

Ende

Am Ende steht die Auflösung des Konflikts. Die Protagonisten erreichen das, was sie wollen oder müssen sich damit abfinden, dass sich ihre Wünsche nicht erfüllen.

Ende von „Heilhexe“:

Die Hexen spüren Lily schliesslich auf und verurteilen sie nach Hexenrecht zum Tode. Bastian bringt die anderen Werwölfe auf seine Seite. Gemeinsam befreien sie Lily aus dem Hexengefängnis. Einige Hexen entschliessen sich, mit den Werwölfen zusammenzuarbeiten. Sie bekämpfen die Krankheit und decken das grosse Geheimnis auf, dass der Ursprung des mysteriösen Leidens darstellt.

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