Das Meer und die griechische Mythologie

Die Ozeane haben schon seit Menschengedenken eine Faszination auf uns ausgeübt. Es regt unsere Fantasie an und lässt uns träumen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Kulturen der Antike auch dem Meer einige Götter zugeteilt haben.

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Bildquelle: pixabay.com

Poseidon

Allen voran ist da wohl Poseidon zu nennen, immerhin ist er einer der mächtigsten Brüder der griechischen Götterwelt. Als die Welt geteilt wurde, erhielt jeder der drei einen Teil, den er beherrschen sollte. Zeus wurde der Olymp, also das Himmelreich, zugeteilt, Hades regiert die Unterwelt, doch Poseidon beherrscht die Weltmeere und hat damit auch Einfluss auf die Erde.

Zudem zählt Poseidon zu den 12 olympischen Gottheiten. Er ist also wirklich einer der ganz großen Nummern der Mythologie. Poseidon gleicht einer Naturgewalt. Bei Homer wird er als Erderschütterer betitelt und somit verantwortlich für Erdbeben gemacht. Auch bei Überschwemmungen wird er als Urheber dafür angesehen. Als Gott der Winde und Stürme, die er über die See hereinbrechen lassen kann, gilt er als ungestüm und unberechenbar.

Das ihm heilige Tier ist das Pferd. Denn ebenso wie Poseidon stehen Pferde in der Antike für einen ungestümen Charakter, Schnelligkeit und Kraft. Wie so oft, werden die Götter der griechischen Mythologie mit denen aus anderen Kulturen gleichgesetzt. Poseidon ist also mit dem römischen Neptun zu vergleichen.

Ikonographisch ist er leicht am Dreizack zu erkennen. Auch Netze, Fische und Wellen werden ihm auf Darstellungen zur Seite gestellt. Meist wird er, ähnlich wie seine Brüder Hades und Zeus, als mittelalter Mann mit dichtem, lockigem Haar, manchmal mit Bart, dargestellt.

Auch in moderner Literatur tritt Poseidon immer wieder auf. Ein prominentes Beispiel ist da wohl Rick Riordans Percy Jackson Reihe, denn Poseidon ist der Vater des Protagonisten.

Poseidon und die Seefahrer – Die Odyssee

Doch bleiben wir bei seiner Hauptfunktion als Herrscher über die Meere. Seefahrer beteten Poseidon an, dass die Überfahrt gelingen würde, dass er günstige Winde schickt und die See ruhig hält. Erzürnen sollte man ihn nicht, was Odysseus am eigenen Leib bei seiner langjährigen Irrfahrt zu spüren bekam, wie wir durch Homer erfahren.

Odysseus hatte sich direkt zwei Fehltritte geleistet. Der erste war die Nutzung eines Holzpferdes, um die Trojaner innerhalb der eigenen Mauern angreifen zu können. Denn das dem Poseidon liebste Tier durfte aus seiner Sicht niemals als hinterhältiges Geschenk missbraucht werden. Alleine das reichte schon, um ihn zu erzürnen. Doch das Fass völlig zum Überlaufen brachte Odysseus, als dieser den Sohn des Poseidon, den Kyklopen Polyphem, blendete. Somit sorgte der Gott dafür, dass Odysseus so schnell nicht mehr in seine Heimat Ithaka zurückkehrte und durch eine zehnjährige Irrfahrt auf hoher See verbrachte.

Triton

Einer der vielen Poseidonsöhne ist nach der Mythologie ebenfalls ein Meeresgott: Triton. Während sein Vater in Sagen und Erzählungen immer wieder erwähnt wird (wie zum Beispiel in der Odyssee) kennen wir Triton durch die Argonautensage. Dort lernen wir ihn als hilfsbereiten Gott kennen, so zog er gestrandete Schiffe zurück ins Meer. Sein Abbild wird zudem sehr gerne bei Brunnen verwendet. Der Bezug zum Wasser ist also unverkennbar.

Er wird als Mischwesen dargestellt, menschlicher Oberkörper mit Fischschwanzflosse. Nicht selten kommen auch noch Vorderläufe eines Pferdes hinzu, womit wieder der Bezug seines Vaters zu Pferden verdeutlicht wird.

Triton hatte in der Neuzeit noch einen größeren Auftritt. Er ist in dem bekannten Disney Film der Vater von Arielle der Meerjungfrau.

Aphrodite – eine Schönheit aus dem Meer

Für die Schönheit des Meeres kann auch Aphrodite im übertragenen Sinne stehen. Wir kennen sie als die Göttin der Liebe und sinnlicher Begierde. Doch betrachten wir ihren Namen etwas genauer. Darin steckt das altgriechische Wort ἀφρός, was Schaum bedeutet. Der Mythos besagt, dass sie aus dem Meeresschaum hervortrat, nachdem Blut und Samen des Urgottes Uranos ins Meer fielen und sich dort mit der Brandung vermischte.

Abbildungen, auf denen sie innerhalb einer Muschel dargestellt wird, verdeutlichen diese besondere Geburt. Sie hat zwar in ihrer Funktion als Göttin der Schönheit nichts mit dem Meer zu tun, doch sie ist aus den schäumenden Wellen entstanden.

Götter, Nymphen und Ungeheuer

Die Weltmeere sind riesig, daher wundert es nicht, dass da noch ein weiterer Gott mitmischt. Okeanos ist genaugenommen älter als Poseidon, denn er ist der Onkel des mächtigen und bekanntesten Meeresgottes. Nun schließt sich der Kreis, Okeanos ist der Vater unzähliger Flussgottheiten und der Okeaniden. Diese wiederum sind, neben den Nereiden, die Begleiterinnen von Poseidon.

Als Nereiden bezeichnet man jene Meeresnymphen, die die Töchter des Nereus sind. Der ist ein Sohn des Seegottes Pontos. Ja, es gibt tatsächlich noch weitere Götter, die sich im Gewässer tummeln. Eine der Nereiden (in manchen Quellen wird sie jedoch als Okeanide bezeichnet) ist übrigens Amphitrite, die Gemahlin von Poseidon und Mutter des Triton. Ihr seht, es hängt alles irgendwie zusammen. Die Götterwelt ist eine riesige Familie, das ändert sich auch nicht bei den Meeres- und Flussgottheiten.

Und neben den Göttern gibt es auch noch deren Nachkommen, die teilweise als Monster und Sagengestalten der Meere Seeleute ins Unglück stürzen. Wie Keto, die Tochter des Pontos und Mutter der Gorgonen. Oder die Sturmwinde verkörpernden Harpien, welche Töchter der Okeanide Elektra und dem Meerestitan Thaumas sind.

Ich könnte noch etliche aufzählen. Kurzum, das Meer ist ein riesiger Schauplatz für Mythos und Sagen und brachte schon immer die Fantasie von Geschichtenerzähler auf Hochtouren. Was sich bis heute nicht geändert hat.

Dieser ganze Exkurs zeigt umso deutlicher, wie fasziniert die Griechen vom Meer waren, sonst hätten sie nicht eine so reich ausgestattete Götterwelt drum herum gedichtet.

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