6 Gründe, wieso du deinen Fantasy Roman noch nicht begonnen hast

Kennst du das? Am Anfang des Jahres nimmst du dir vor, endlich die geniale Idee für den ersten eigenen Roman umzusetzen und deine Fantasy Geschichte zu schreiben. Du siehst es vor dir: Die Inspiration packt dich, die Rohfassung ist im Sommer fertig und der Erstentwurf so gut, dass du fast nichts daran ändern musst. Die Testleser erhalten deinen Roman im Herbst und sind begeistert.

Tja, es ist jetzt Mitte August. Hast du deine Ziele erreicht? Hältst du dein fertiges Buch in den Händen? Jubeln dir die Leser zu und wollen alles lesen, was du als Nächstes schreibst?

Oder hast du das Projekt vielleicht fallen gelassen? Hast du eine kurze Zeit lang deine Vorsätze durchgezogen und täglich geschrieben, aber eines Tages kam etwas dazwischen? Und am nächsten Tag kam wieder etwas dazwischen und am übernächsten schon wieder? Das Schreiben ist zu anstrengend, zu zeitaufwändig, zu schwierig, zu intensiv. Und du bist zu müde, zu abgelenkt, zu gestresst, zu irgendwas.

Es gibt viele Gründe, wieso du dein Schreibprojekt bis heute noch nicht ernsthaft begonnen hast. Vielleicht hast du noch nicht einmal ein Wort geschrieben oder vielleicht hast du schon die ersten 3’000 Wörter. Aber seit Monaten hast du nicht mehr an deinem Projekt weitergearbeitet. Hier stelle ich dir 6 grosse Hindernisse vor, die deinem Fantasy Roman im Weg stehen. Ich zeige dir, wie du sie zur Seite stossen kannst, um endlich freie Bahn Richtung eigenes Fantasy Buch zu haben.

Grund 1: Keine Inspiration und keine Ideen

Das Problem

„Ich schreibe eine Geschichte über eine Frau, die sich in einen Vampir verliebt.“ Ja, und jetzt? Einen 80’000 Wörter Roman zu schreiben, wenn das deine einzige Grundidee ist, wird wohl schwierig. Was ist das Besondere an der Frau? Wie sieht die Vergangenheit des Vampirs aus? Was ist der Konflikt der Geschichte? Welches sind die Probleme und Hindernisse, die sie überwinden müssen?

Du überlegst und überlegst, aber dir fällt nichts mehr zu deiner Geschichte ein. Du hast die perfekte Liebesszene in deinem Kopf. Aber wie der Weg dorthin sein wird, ist für dich ein noch völlig unklar.

Ein Roman besteht aus mehr als nur einer Grundidee. Du musst immer wieder originelle, innovative und kreative Einfälle vorweisen können. Das ist harte Arbeit. Niemand kann rund um die Uhr so kreativ sein und eine Idee nach der anderen raushauen. Jeder Mensch ist anders, aber zu wenig Schlaf, zu viel Stress und persönliche Probleme können eine kreative Blockade auslösen.

Die Lösung

Du hast keine Ideen? Das Leben schreibt die besten Geschichten. Also lass dich auch vom Leben inspirieren. Ja, du schreibst Fantasy Geschichten, aber die Themen, die deinen Protagonisten bewegen, bleiben die gleichen wie die, die uns alle bewegen: Liebe, Freundschaft, Eifersucht usw. Triff dich mit Freunden, verbringe einen Tag in den Bergen oder an einem See, mache einen Kreativ-Spaziergang. Entspanne dich und lass die Aussenwelt auf dich wirken. Du wirst sehen, abschalten hilft wirklich.

Ich selbst schreibe während kreativen Phasen gerne alle meine Ideen in meinem persönlichen „Ideentank“ auf. Das ist bei mir mein digitales Notizbuch. Idee folgt auf Idee und nach meinem Brain Dump gibt es dann viele brauchbare und weniger brauchbare Einfälle.

In schwierigen Phasen komme ich dann selten unter Druck, weil mir die Ideen fehlen. Aber falls das doch einmal passiert, lasse ich mich gerne von Filmen, Büchern, Serien und Musiksongs inspirieren. Damit meine ich nicht, dass du die Geschichten, die dir gefallen, kopieren sollst. Suche dir Aspekte, die du an der jeweiligen Story magst und knüpfe das Konzept weiter. Du kannst dabei mit Brainstorming und Mindmapping Methoden arbeiten.

Grund 2: Zu viel Recherche (Fachlektüre und Schreibratgeber)

Das Problem

In meinem Buch kommen Kobolde vor. Aber woher kommen Kobolde? Wann entstanden die ersten Geschichten über Kobolde? Welche Legenden gibt es zu ihnen? Ich möchte einen tollen Prolog schreiben, aber wie schreibt man einen Prolog eigentlich? Und auf dem Schreibblog von xy stand, dass ich ja nicht zu viele Beschreibungen verwenden sollte, das würde die Spannung killen. Aber wieviel ist hier zu viel?

Kannst du dich in diesem Gedankengang wieder erkennen? Mir ging es auf jeden Fall genauso. Ich wollte alles perfekt machen und so viel Hintergrundwissen wie möglich ansammeln, aber dann verstrichen Wochen, sogar Monate, ohne dass ich das Gefühl hatte, ich hätte genug recherchiert. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: Denn man hat nie fertig recherchiert. Die Recherche könnte ewig weiter gehen.

Die Lösung

Start before you’re ready! Themen können auch zu Tode recherchiert werden. Ja, Recherche ist wichtig und erforderlich, aber wenn deine Geschichte die Leser in ihren Bann zieht, wird es niemanden interessieren, ob du recherchiert hast, woher der Mythos stammt, dass Werwölfe von Silber geschwächt werden. Selbst wenn du solche Fakten wirklich nachlesen würdest, ist es immer noch deine Entscheidung, was du damit machst. Ich meine, in Twilight gibt es sogar glitzernde Vampire…

Was die Schreibratgeber und Schreibblogs angeht: kein Autor hat gelernt, gute Geschichten zu schreiben, nur indem er darüber gelesen hat. Es heisst ja nicht umsonst: „Übung macht den Meister.“ Ja, du wirst viele deiner Szenen wieder löschen oder bis zur Unkenntlichkeit überarbeiten, aber kein gelöschtes Wort ist umsonst. Mit jedem Buchstaben, den du schreibst, wirst du besser und besser.

Hör also auf zu recherchieren und fang endlich mit dem Schreiben an. Wenn du deinen Erstentwurf dann fertig hast, kannst du beim Überarbeiten falls nötig immer noch etwas genauer nachrecherchieren. Aber jetzt heisst es einfach: schreiben, schreiben, schreiben und deiner Fantasie freien Lauf lassen!

Grund 3: Überwältigung, Perfektionismus, Selbstzweifel

Das Problem

Ich habe mir ein Authortube Video nach dem anderen angesehen und jeden Schreibblog, den ich finden konnte, gelesen. Am Ende schwirrte mir der Kopf von all den Tipps, Verboten und Tricks, die man anscheinend beim Schreiben von Geschichten beachten musste. Meine To Do Liste war mehrere Seiten lang. 

All mein Herzblut steckte in meiner Fantasy Geschichte. Die Charaktere sollten originell und liebenswert sein, die Handlung clever und spannend, das Setting überwältigend. Das Buchdesign inkl. Buch-Webseite musste auch unbedingt wunderschön werden. Kurz gesagt: es sollte der perfekte Roman werden. Ich setzte mich so stark unter Druck, dass ich das eigentliche Schreiben der Geschichte immer länger hinausschob. Und es ist wohl unnötig, an dieser Stelle noch einmal zu erwähnen, dass es das perfekte Buch nicht gibt…

Die Lösung

„Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt.“
– Konfuzius

Ein kleiner Rat für dich, damit du aus meinen Fehlern lernen kannst: Mache dir einen groben Plan. Ordne die verschiedenen Aufgaben nach Themen und überlege dir, wie viele Stunden du für die jeweiligen To Do’s aufwenden musst. Mit der Zeit hast du Erfahrung damit, wieviele Wörter du in einer Stunde, einem Tag, einer Woche und einem Monat schreiben kannst. Am Anfang musst du das erst noch herausfinden.

Nachdem du dir die Aufgaben mit dem jeweiligen Zeitaufwand herausgeschrieben hast, kannst du sie in verschiedene Phasen einteilen. Was muss zuerst erledigt werden, was kann noch warten?

Hier der Anfang einer möglichen Liste:

Phase 1
– Buch planen
   Charaktere entwickeln, 2 Wochen
   Setting, 1 Woche
– kurze Recherche
   Kobolde
   Vampire

Phase 2
– Buch schreiben
   Prolog, 2 Tage
   Kapitel 15, 4 Tage
– Webseite für Buch erstellen, um potentielle Leser zu informieren

Phase 3
– Buch überarbeiten
– Buchcover erstellen / kaufen

usw.

Jetzt konzentrierst du dich jeweils nur auf die aktuelle Phase und vergisst, was du in den darauffolgenden Phasen erledigen musst. Entwickle deine Geschichte stetig weiter: Wort für Wort, Satz für Satz, Kapitel für Kapitel. Du wirst sehen, plötzlich geht das Schreiben viel schneller und einfacher als am Anfang und du hast nicht mehr das Gefühl, an den vielen To Do’s zu ersticken.

Grund 4: Vergleich mit den Grossen

Das Problem

Autorin xy hat mit 16 Jahren ihren ersten Roman veröffentlicht. Ich bin jetzt fast doppelt so alt! Hemingway konnte nur mit sechs Wörtern eine wunderschöne Geschichte erzählen. J. K. Rowling begeistert bis heute Generationen von Lesern. Und ich? Ich sitze hier vor meinem Erstentwurf und mir fällt in dieser Szene gerade nichts Besseres ein als zu schreiben, wie kalt und nass das Wetter ist.

Falls auch dich manchmal solche Gedanken quälen, kann ich dich beruhigen. Selbst die besten Autoren haben einmal klein angefangen. Das Problem ist, dass wir uns als Schreibneulinge natürlich immer gleich mit den grossen Meistern vergleichen.

Die Lösung

Konzentriere dich nur auf dich selbst. Erinnere dich daran, wieso du Geschichten schreiben möchtest. Was sind deine Motive? Was sind deine Ziele? Wenn du dir darüber klar geworden bist, kannst du deine Überlegungen visualisieren. Erstelle doch (mit Pinterest oder als physische Collage) ein Vision Board. Ein Vision Board ist die Darstellung deiner Wünsche, Ideen, Motive und Ziele durch Bilder, Fotos, Zitate, Textschnipsel usw.

Achte darauf, dass deine Ziele realistisch bleiben. Vor allem wenn du noch einen 100% Job oder Studium hast, wirst du wohl oft überschätzen, wieviel du jeden Tag schreiben kannst. Und wenn du dich wieder einmal mit einem weltberühmten Autor vergleichen möchtest, schau dir dein Vision Board an, ignoriere alles um dich herum und folge deinem Weg zu deiner visualisierten Zukunft.

Grund 5: "Dein erstes Buch wird scheisse."

Das Problem

Ich war überrascht, wie häufig ich diese Aussage so oder so ähnlich gehört oder gelesen habe, als ich unterschiedliche Authortuber und Schreibblogger verfolgte. Ich bin jetzt ganz ehrlich: Ich fühlte mich beleidigt. Wenn mein erstes Buch sowieso scheisse wird, wieso sollte ich dann überhaupt anfangen?

Ich glaube nicht daran, dass es scheisse wird. Es ist natürlich, dass man einige seiner früheren Werke peinlich findet. Man entwickelt sich persönlich weiter und auch das schriftstellerische Können verbessert und verändert sich. Aber alle älteren Texte haben dich zu der Person gemacht, die du heute bist.

Nehmen wir die Indianer-Geschichte zum Beispiel, die ich mit 16 Jahren geschrieben habe: ja, sie ist kitschig, sehr ausschweifend geschrieben und ich lese heute auch ganz andere Bücher. Aber damals war das genau die Art von Geschichte und Schreibstil, die ich gerne mochte. Ich bin noch heute stolz drauf.

Die Lösung

Gib dein Bestes. Dein erstes Buch wird nicht scheisse. Es ist ganz normal, wenn du deine früheren Projekte nicht mehr so gut findest, wie die neueren. Du wächst über dich hinaus, deine Fähigkeiten entwickeln sich, du lernst weiter. Ja, der Erstentwurf wird vielleicht schlecht sein, aber das kannst du ignorieren. Denn er ist nur der Grundstein für dein Buch. Mit dem Überarbeiten des Textes polierst du die Geschichte so lange, bis sie glänzt.

Und wenn du doch einmal einen älteren Text von dir anschaust und ihn wirklich schlecht findest, zeigt das nur, dass du dein Schreiben verbessert hast. Sei stolz auf dich!

Grund 6: Keine Ahnung, wo und wie du dein Schreibprojekt starten sollst

Das Problem

Wo soll ich nur mit meinem Buch starten? Am Anfang? In der Mitte? Am Ende? Was ist mit Buchmarketing? Was ist mit dem Cover? Ich habe bis jetzt die Hälfte des Buches geschrieben und die Handlung führt nirgendwo hin. Was soll ich jetzt tun?

Sind das Fragen, die du dir auch schon gestellt hast? Dann freut es mich sehr, dir hier die Lösung für dein Problem zu präsentieren.

Die Lösung

Ein klarer Fahrplan führt dich ans Ziel. Finde eine passende Idee für deine Geschichte, plane Handlung, Charaktere und Setting voraus, schreibe deinen ersten Entwurf so schnell wie möglich fertig und starte dann mit der Überarbeitungsphase.

Das ging dir jetzt zu schnell? Keine Sorge! Im September und Oktober findest du hier eine Schritt für Schritt Anleitung für das Planen und Vorbereiten deiner Geschichte. Du erhältst Handlungsstrukturen, Charakterbögen und Informationen zum Weltenbau, die dir dabei helfen werden. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf dem Planen von Geschichten im Fantasy Genre. Was du dabei speziell beachten sollst, kannst du ebenfalls in den nächsten Wochen auf diesem Blog lernen.

Und wenn du danach Lust hast, kannst du im November gleich beim NaNoWriMo mitmachen und in einem Monat 50’000 Wörter für deine Geschichte schreiben. Wäre es nicht toll, wenn du bis Ende Jahr deinen eigenen, groben Erstentwurf in den Händen halten könntest?

Fazit und Schreibmotivation

Alle Anleitungen und Tipps, die du in den folgenden Wochen hier findest, musst du nicht unbedingt in dieser Reihenfolge abarbeiten. Die Artikel-Reihe soll für dich ein Fahrplan oder ein roter Faden sein. Ob du ihm folgst oder nicht, das ist natürlich deine Entscheidung.

Du bist nach diesem Blogpost noch nicht motiviert, mit deinem Fantasy Roman anzufangen? Dann versuche deine Schreibmotivation über Instagram, Google oder Pinterest zu finden. Benutze dazu Hashtags wie #schreibmotivation, #writingprompts, #writingpromptsgerman. Oder melde dich auf nanowrimo.org an und füge mich als dein Schreibbuddy hinzu. Dann können wir über dein Schreibprojekt sprechen und uns austauschen.

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